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SaaS

SaaS-Abos durch eigene KI-Tools ersetzen: was ersetzen, was behalten?

Von ···8 Min. Lesezeit
Ein Miniaturhaus aus elfenbeinfarbenem Porzellan, über eine türkisfarbene Leitung mit dem Boden verbunden, mit einem kleinen Anbau aus Milchglas an der Seite, vor tief türkisfarbenem Hintergrund.

Was KI für Ihre Abos verändert

Im vergangenen Jahr hat sich eine Idee stark verbreitet: Dank Programmierassistenten werde jedes Unternehmen seine eigene Software bauen und seine SaaS-Abos kündigen. Manche sprechen sogar von der «SaaSpocalypse».

Mit KI lassen sich heute manche Abos durch intern gebaute Werkzeuge ersetzen, vor allem kleine Werkzeuge, deren Ausfall niemanden blockiert und die wenig Wartung brauchen. Für Software, die Geld, sensible Daten oder gesetzliche Pflichten verwaltet, bleibt das Abo in der Regel die bessere Wahl.

Dieser Artikel hilft Ihnen, Ihre Abos zu sortieren: welche ein mit KI gebautes Werkzeug ersetzen kann, welche Sie besser behalten und welche sich mit einer Individualentwicklung ergänzen lassen.

Ein lehrreicher Versuch: 100 Stunden, um 100 Dollar im Monat zu sparen

Tyler Denk leitet beehiiv, eine Plattform für Newsletter. In «SaaSpocalypse», veröffentlicht am 1. September 2026, beschreibt er, wie er die Buchungs- und Mitgliederplattform für MADRE selbst gebaut hat, einen Wellnessclub, den er in Medellín mitgegründet hat. Eine Software vom Markt hätte weniger als 100 Dollar im Monat gekostet und wäre in wenigen Stunden einsatzbereit gewesen.

Der Test von Tyler Denk für MADRE

Buchungssoftware vom Markt

Monatliche Kosten
Unter 100 Dollar
Inbetriebnahme
Wenige Stunden
Ausfälle und Weiterentwicklung
Übernimmt der Anbieter

Mit KI gebaute Plattform

Monatliche Kosten
Rund 300 Dollar für technische Dienste
Inbetriebnahme
Über 80 Stunden Entwicklung und über 20 Stunden Tests
Ausfälle und Weiterentwicklung
Übernimmt Tyler Denk in seiner Freizeit
Quelle: Tyler Denk, «SaaSpocalypse», Big Desk Energy, 1. September 2026. Schätzungen des Autors für ein einzelnes Projekt, in US-Dollar.

Er hat sechs Wochenenden lang entwickelt, rund zehn Dienste angebunden (SMS, E-Mail, Datenbank, lokale Zahlungen, Fehlerüberwachung) und Zahlungsterminals gekauft, um das Bezahlen vor Ort zu testen. Das Ergebnis: eine funktionierende Plattform, rund 300 Dollar Dienstkosten pro Monat und ein CEO, der am Wochenende weiterhin Bereitschaft hat. Sein Fazit ist klar: SaaS ist nicht tot.

Sein Beispiel zeigt auch, dass er den schwierigsten Fall gewählt hat. Bei Buchungen, Mitgliedschaften und Zahlungen kostet ein Ausfall noch am selben Tag Kunden und Geld. Ein solches Werkzeug bleibt am besten bei einem spezialisierten Anbieter. Über kleinere, weniger exponierte Werkzeuge sagt der Versuch nichts aus, und genau dort eröffnet KI echte Möglichkeiten.

Wofür Sie mit einem Abo tatsächlich bezahlen

Der Code ist nur ein Teil der Leistung. Mit einem Abo bezahlen Sie auch ein Team, das:

  • die Software betreibt, überwacht und bei einem Ausfall wieder in Gang bringt;
  • Sicherheitsupdates einspielt und neue Angriffe verfolgt;
  • das Produkt an neue Vorschriften anpasst, etwa bei der Mehrwertsteuer oder beim Datenschutz;
  • die Verbindungen zu anderer Software funktionsfähig hält, wenn sich diese ändert;
  • Ihren Mitarbeitenden antwortet, wenn etwas nicht funktioniert.

Wenn Sie Ihr eigenes Werkzeug bauen, fällt diese Arbeit weiterhin an: Sie landet bei Ihnen. Bei einem Werkzeug für Zahlungen braucht sie schnell mehr Zeit als die ursprüngliche Entwicklung. Bei einer Übersicht, die fünf Personen nutzen, bleibt sie oft gering.

Drei Fragen für jedes Abo

Nehmen Sie die Liste Ihrer Abos zur Hand und stellen Sie zu jedem diese drei Fragen.

  1. Was passiert, wenn das Werkzeug einen Tag lang ausfällt? Können Ihre Kunden nicht mehr bezahlen oder buchen, steht viel auf dem Spiel. Weicht das Team einen Tag lang auf eine Tabelle aus, bleibt der Schaden gering.
  2. Was muss es auf Dauer garantieren? Zahlungen, Personendaten, buchhalterische Pflichten, E-Mail-Versand in grossen Mengen, Verbindungen zu anderer Software: Jeder dieser Punkte verlangt regelmässige Wartung.
  3. Weicht Ihre Arbeitsweise vom Standard ab? Software vom Markt deckt gängige Bedürfnisse gut ab. Sie wird lästig, wenn Ihr Team sie mit Dateien und Kopieren und Einfügen umgeht.

Die ersten beiden Fragen messen, was das Werkzeug garantieren muss. Die dritte misst den Abstand zum Standard. Zusammen ordnen sie jedes Werkzeug einer dieser vier Situationen zu.

Was tun mit jedem Abo?

Ordnen Sie jedes Werkzeug danach ein, was es garantieren muss und wie stark Ihre Arbeitsweise vom Standard abweicht.

  • Wenig auf dem Spiel · spezifischer Prozess

    Mit KI selbst bauen

    Keine Standardsoftware passt wirklich, und ein Ausfall blockiert niemanden. Ein internes Werkzeug kann genau Ihrer Arbeitsweise folgen.

    Beispiele: Ausleihe von Material, Einsatz-Checklisten, internes Dashboard

  • Viel auf dem Spiel · spezifischer Prozess

    Motor behalten, Oberfläche anpassen

    Lassen Sie bewährte Software den heiklen Teil übernehmen und die Oberfläche für Ihr Geschäft über deren API entwickeln. Ist der Kern Ihrer Tätigkeit selbst spezifisch, lohnt sich eine Individualentwicklung mit einem Team.

    Beispiele: Kundenportal mit CRM-Anbindung, Offertwerkzeug mit Anbindung an die Buchhaltung

  • Wenig auf dem Spiel · Standardprozess

    Kosten und Aufwand vergleichen

    Ein günstiges Abo genügt oft. Ein Nachbau lohnt sich, wenn der Preis pro Benutzer ins Gewicht fällt oder Sie nur eine Funktion nutzen.

    Beispiele: Formulare, interne Umfragen, einfache Teamplanung

  • Viel auf dem Spiel · Standardprozess

    SaaS behalten

    Fachleute kümmern sich für Sie um Vorschriften, Sicherheit und Ausfälle. Diese Arbeit nachzubilden kostet mehr als das Abo.

    Beispiele: Zahlungen, Buchhaltung und Lohn, E-Mail-Versand, elektronische Signatur

Entscheidungsraster von Appik Studio. Für einen Ausfall oder ein Datenleck in einem internen Werkzeug bleiben Sie selbst verantwortlich.

Kleine Werkzeuge: Hier verändert KI die Rechnung

Noch vor zwei oder drei Jahren kostete die Entwicklung eines kleinen internen Werkzeugs oft mehr als jahrelange Abogebühren. Mit Werkzeugen wie Claude Code, Cursor oder Lovable kann eine technisch versierte Person heute in wenigen Tagen, manchmal in wenigen Stunden, eine erste Version bauen.

Gute Kandidaten ähneln sich: wenige Benutzer, wenig sensible Daten, keine Geldtransaktionen und eine einfache Ausweichlösung, falls das Werkzeug ausfällt. Zum Beispiel:

Fünf Werkzeuge, die ein kleines Team nachbauen kann

  • Internes AnfrageformularErsetzt ein pro Benutzer abgerechnetes Formularwerkzeug.
  • DashboardFührt die Exporte aus drei Programmen zusammen.
  • AusleiheMaterial oder Schlüssel: wer hat was, seit wann.
  • DokumentgeneratorErstellt Ihre Dokumente aus Ihren Vorlagen.
  • NischenwerkzeugDas Programm, von dem Sie nur eine Funktion nutzen.

Das Werkzeug folgt dann genau Ihrer Arbeitsweise. Seine Kosten steigen nicht mit jedem neuen Benutzer, was zählt, wenn das Team wächst. Sie entscheiden auch selbst, wo Ihre Daten gespeichert werden.

Das britische NCSC zieht dieselbe Grenze: Ein internes Werkzeug mit geringem Risiko darf oft vollständig von der KI geschrieben werden, während Authentifizierung oder die Verarbeitung sensibler Kundendaten eine viel strengere Kontrolle verlangen.

Einige Regeln verhindern unangenehme Überraschungen. Bestimmen Sie eine verantwortliche Person für das Werkzeug und eine Stellvertretung. Schützen Sie den Zugang, sichern Sie die Daten und halten Sie fest, wie ohne das Werkzeug gearbeitet wird, wenn es ausfällt. Ein internes Werkzeug unterliegt dem Datenschutzgesetz, sobald es Angaben über Personen enthält. Unser Artikel über Möglichkeiten und Grenzen von Vibe Coding beschreibt die Risiken, die Sie im Auge behalten sollten.

Software, die Sie behalten sollten

Am anderen Ende steht Software, die Ihr Geld, Ihre gesetzlichen Pflichten oder Ihre Kundenbeziehungen verwaltet: Zahlungen, Buchhaltung und Lohn, E-Mail-Versand in grossen Mengen, elektronische Signatur, Kommunikation im Team und ein CRM im Zentrum des Verkaufs.

Was das Abo für Sie im Blick behält

Bei jeder dieser Lösungen verfolgt der Anbieter vollzeitlich jede Änderung.

  • ZahlungenSicherheitsstandards für Karten, Betrug und Rückerstattungen.
  • Buchhaltung und LohnSätze, Abrechnungen und Gesetzesänderungen.
  • E-Mail-VersandZustellbarkeit und Ruf des Absenders.
  • Elektronische SignaturRechtsgültigkeit von Signaturen und Nachweisen.
  • Kommunikation im TeamVerfügbarkeit, Verschlüsselung und Archivierung.
  • CRMKundenhistorie und Anbindung an andere Werkzeuge.

Bei diesen Werkzeugen bezahlt das Abo Fachleute, die sich vollzeitlich um Vorschriften, Sicherheit und die Zustellbarkeit von E-Mails kümmern. Ein selbst gebautes Werkzeug müsste diese Arbeit dauerhaft nachbilden, mit einem viel kleineren Team. Tyler Denk zitiert seinen COO: Brot backen kann man seit jeher, und trotzdem kaufen es die meisten.

Der Mittelweg: Motor behalten, Oberfläche anpassen

Zwischen diesen beiden Polen wird eine Option oft übersehen. Sie behalten die bewährte Software für den heiklen Teil und lassen über deren API die Oberfläche entwickeln, die zu Ihrem Geschäft passt.

Ein Club kann seine Buchungs- und Zahlungssoftware behalten und ein Dashboard für seine Leitung ergänzen. Ein KMU kann sein CRM behalten und ein Formular für den Aussendienst erstellen, das Besuche direkt dort erfasst. Das SaaS liefert die Garantien, das massgeschneiderte Werkzeug erleichtert die tägliche Arbeit.

Zwei Beispiele

  • Sportclub

    Das SaaS behältBuchungen und Zahlungen
    API
    Sie lassen entwickelnDashboard für die Leitung
  • KMU

    Das SaaS behältCRM und Kundenhistorie
    API
    Sie lassen entwickelnFormular für Kundenbesuche

Solche Verbindungen verlangen mehr Sorgfalt als ein alleinstehendes Werkzeug: Zugriffsrechte, Fehlerbehandlung, Verfolgung von API-Änderungen. Hier bringt ein Entwicklungsteam oft den grössten Nutzen. Findet der Kern Ihrer Tätigkeit keine Lösung auf dem Markt, kann sich eine vollständige Individualentwicklung lohnen. Unser Artikel zum Wechsel von Excel zu einer massgeschneiderten Anwendung hilft bei dieser Beurteilung.

Bevor Sie ein Abo kündigen

Ein in wenigen Tagen gebautes Werkzeug kann ein Abo ersetzen. Prüfen Sie vor der Kündigung trotzdem diese Punkte:

  1. 1.Exportieren und prüfenExportieren Sie alle Daten aus der bisherigen Software und prüfen Sie, ob sie sich korrekt ins neue Werkzeug importieren lassen.
  2. 2.Parallel testenNutzen Sie beide einige Wochen lang parallel, mit echten Fällen.
  3. 3.Verantwortliche bestimmenLegen Sie fest, wer das Werkzeug korrigiert, wer es weiterentwickelt und wer in den Ferien einspringt.
  4. 4.Zeit mitrechnenRechnen Sie die Zeit für Aufbau und Wartung mit ein, nicht nur die eingesparte Abogebühr.
  5. 5.VorausplanenEntscheiden Sie im Voraus, was Sie tun, wenn das Werkzeug für das Unternehmen wichtig wird.

Dieser letzte Fall tritt häufiger ein, als man denkt. Ein nützliches internes Werkzeug zieht neue Benutzer und neue Wünsche an. Wird es kritisch, lassen Sie Code und Sicherheit prüfen. Unser Leitfaden zur Übernahme einer vibe-codierten App beschreibt diesen Schritt.

Häufige Fragen

Muss man programmieren können, um mit KI ein internes Werkzeug zu bauen?

Für eine erste Version nicht unbedingt. Sie müssen aber das Bedürfnis genau beschreiben, ungewöhnliche Fälle testen und verstehen, wo die Daten gespeichert sind. Sobald das Werkzeug Personendaten oder andere Software berührt, lohnt sich ein technischer Blick.

Wie viel lässt sich sparen?

Das hängt vom Abopreis, von der Zahl der Benutzer und vom Wartungsaufwand ab. Vergleichen Sie über zwei bis drei Jahre: auf der einen Seite das Abo, auf der anderen Entwicklungszeit, Hosting und Wartung. Der Fall von Tyler Denk zeigt, dass ein selbst gebautes Werkzeug mehr kosten kann als das Abo, das es ersetzt.

Was tun, wenn das Werkzeug kritisch wird?

Behandeln Sie es wie richtige Software: Code-Review, getestete Datensicherungen, Fehlerüberwachung und eine verantwortliche Person. Sie können auch zu einer Software vom Markt zurückkehren, wenn ein Anbieter das Bedürfnis inzwischen abdeckt.

Macht KI SaaS überflüssig?

Für kleine, wenig exponierte Werkzeuge bietet sie eine echte Alternative. Bei kritischer Software liegt der Wert eines SaaS im Team, das sie pflegt, und KI schafft dieses Team nicht in Ihrem Unternehmen.

Ihre Abos sortieren

Listen Sie Ihre Abos auf, mit Jahrespreis und den Folgen, wenn jedes einen Tag lang ausfiele. Diese Tabelle genügt oft, um zwei oder drei Werkzeuge zum Nachbauen zu erkennen und jene, die Sie behalten sollten.

Drei Gruppen von Blöcken auf elfenbeinfarbenem Grund: ein Stapel Porzellanblöcke, ein Porzellanblock, der über ein türkisfarbenes Kabel mit einem Milchglasblock verbunden ist, und zwei einzelne Glasblöcke.
Drei mögliche Ergebnisse für jedes Abo: behalten, mit einem eigenen Werkzeug verbinden oder durch ein intern erstelltes Werkzeug ersetzen.

Bei Appik Studio in Lausanne prüfen wir diese Liste gerne mit Ihnen und helfen Ihnen bei der Wahl: Abo behalten, internes Werkzeug bauen oder eine Individualentwicklung an Ihre Software anbinden. Das Erstgespräch und die erste Einschätzung sind kostenlos.

Quellen und Referenzen

Zurück zum BlogGaspard Chevassus · CEO, Appik Studio